Fahrt des Stadtrates Langen in die Niederlande zur Besichtigung von Shared Space Projekten in Haren und Drachten
Von links: Professor Willem Foorthuis, Claus Becker, Bürgermeister Thorsten Krüger, Steffen Tobias und Hermann Westedt – mitten auf der Kreuzung in Drachten, ein harmonisch geteilter Raum!
Langen (Swo).
Shared Space – gemeinsam genutzter Raum, so heißt ein neuer
Ansatz zur Raumplanung und -einrichtung, der in ganz Europa immer
mehr Beachtung findet. Shared Space beinhaltet neue Ausgangspunkte
für den Gebrauch, den Entwurf und die Unterhaltung der Straßen
und öffentlichen Räume und hebt die herkömmliche Trennung der
verschiedenen räumlichen Funktionen auf.
Das entscheidende Merkmal ist, dass Verkehrsschilder, Fußgängerinseln, Ampeln und andere Barrieren nicht mehr nötig
sind. In Shared Space fügen sich Autofahrer rücksichtsvoll ins
menschliche Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und spielenden
Kindern ein und werden Teil des gesamten gesellschaftlichen und
kulturellen Kontextes. Von diesem Gefüge wollten sich Bürgermeister Thorsten Krüger und die Damen und Herren des Stadtrates Langen selber einen Überblick verschaffen und sind nach Haren und Drachten (zwei von sieben europäischen Projekten, die zur Zeit be- und erarbeitet werden) in die Niederlande gefahren. Nach einer kurzen Einführung durch Professor Willem Foorthhuis vom Keuning Institut Groningen und Claus Becker, GfL Planungs- und Ingenieurgesellschaft GmbH Bremen, hatten die Gäste die Möglichkeit, sich in dem geteilten Raum zu bewegen, soll heißen, sie standen im Verkehrsraum und die holländischen Auto- und Radfahrer sind um sie herumgefahren. Natürlich wurde auch gehupt - aber die Verkehrsmentalität ist eine andere, sind sich die Ratsmitglieder bewusst geworden. Hermann Westedt (FDP) ist zuversichtlich, dass es Politik und Bürger nach jahrelangen Absichtserklärungen nun endlich gelungen wird, mehr Lebensqualität in die Ortsmitte Langens zu bringen.
Viele emotionale Diskussionen wurden bis zur Einführung geführt, beschreibt Professor Foorthuis, aber im Zusammenspiel mit den Anliegern, der Politik und dem Straßenbauamt hat in Haren nicht nur eine Verkehrsveränderung sondern eine Orts- und Lebensverschönerung stattgefunden. Diese verbesserte Qualität kann sich Thorsten Krüger für die Stadt Langen ebenso vorstellen: „Hier hat ein Prozess begonnen, der sich auch für die Stadt Langen entwickeln kann. – In Haren steckt ein Teil von Langen“.
Steffen Tobias (CDU), der schon das deutsche Projekt in Bohmte begutachten konnte (die NORDSEE-ZEITUNG berichtete) und das Interesse an Shared Space initiierte, sieht in der Umstrukturierung des Verkehrsraumes auch für Langen eine Möglichkeit, die Straßen sicherer zu machen, gesellschaftliche Trennungen aufzuheben, die Attraktivität der Stadt zu erhöhen und damit nicht zuletzt der Wirtschaft einen Impuls zu geben.
Claus Becker beschreibt Shared Space jedoch mehr als ein paar einfache Entwurfsprinzipien. Es bedeutet nämlich auch neue Planungs- , Entwurf- und
Entscheidungsprozesse, als deren Resultat neue Strukturen für die
Teilnahme aller beteiligten Parteien, also auch der Bürger entstehen.
Für Bürgermeister Thorsten Krüger ist klar: „bevor nur ein konkreter Schritt in die Richtung Shared Space gesetzt wird, werden Bürger und Wirtschaft gehört. Wir werden Handlungsspielräume schaffen müssen – denn dieses Projekt ist eine Investition in die Zukunft“. Professor Willem Foorthuis vom Keuning Institut hat großes Interesse die Verkehrslage in der Stadt Langen persönlich in Augenschein zu nehmen. Der Einladung des Bürgermeisters, die Stadt Langen zu besuchen, ist er schon mit einer Zusage für das kommende Jahr nachgekommen.
Ortsbürgermeisterin aus Neuenwalde Ellen Frank (CDU): „Ich bin angetan von den vielfältigen Möglichkeiten, den Verkehr neu zu regeln und denke schon, dass Ansätze des Shared Space Projektes auch in der Stadt Langen um zusetzen sind“.